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Welche Regulierungsbauwerke sind geplant? In einzelnen Abschnitten werden neue Buhnen (quer in den Flusslauf ragende Regulierungsbauwerke) bzw. in Einzelfällen auch Leitwerke (uferparallele Regulierungsbauwerke) errichtet oder bestehende Buhnen adaptiert, wodurch die Wasserspiegel und somit auch die Fließtiefen bei niederen und mittleren Abflüssen maßvoll angehoben werden. Diese Maßnahme wird unter Berücksichtigung gewässerökologischer Kriterien maßvoll eingesetzt. Als weitere Maßnahmen zur Niederwasserregulierung werden Anpassungen der Stromsohle vorgenommen, wobei das in den zu seichten Teilen der Schifffahrtsrinne gebaggerte Material möglichst im unmittelbaren Nahbereich in tieferen Zonen des Flusses (Kolke und Tiefenrinne) wieder flächig eingebaut wird. Diese Sohlanpassungen sind daher bezüglich der Wasserspiegellagen neutral, es kommt dadurch nur zu lokalen Veränderungen, aber im Mittel nicht über längere Strecken.
Mit der Niederwasserregulierung werden einerseits höhere Fahrwassertiefen unter Regulierungsniederwasser (RNW) als bisher für die Schifffahrt bereitgestellt und andererseits der RNW-Spiegel um rund 3 dm angehoben, wodurch Gewässervernetzungen effizient umgesetzt werden können.
Bestehende oder neu zu errichtende Regulierungsbauwerke müssen nur im Niederwasserfall voll wirksam sein, bei höheren Wasserführungen sollen sie bereits möglichst stark überströmt werden. Die in der Vergangenheit gebauten und auf das jeweils gültige Regulierungsniederwasser ausgelegten Regulierungsbauwerke liegen infolge der Sohleintiefung der letzten Jahrzehnte deutlich über dem aktuellen Niederwasserspiegel, teilweise auch schon über Mittelwasser. Im Zuge des Flussbaulichen Gesamtprojektes wird größtenteils die Absenkung der Buhnen und Leitwerkskronen auf RNW + ca. 0,3 m vorgesehen. Bei Wasserführungen über Niederwasser (d.h. im Regeljahr über 90 % der Zeit) werden die Regulierungsbauwerke somit überströmt.
Hydraulisch nicht mehr benötigte Buhnen, also solche, die bei Niederwasser im Strömungsschatten von Kiesbänken liegen oder bereits eingeschottert sind, werden vollständig abgetragen. Dies ist einerseits durch schutzwasserwirtschaftliche Überlegungen begründet, da dadurch der Strömungswiderstand bei Hochwasser verringert wird, und hat andererseits ökologische Vorteile durch die Erhöhung der morphologischen Dynamik in den ufernahen Zonen bzw. die Reduktion des wasserbaulichen Verbauungsgrades.
In vielen Fällen wird auch der Grundriss bestehender Buhnen geändert, von einer rechtwinkelig (zum Ufer) bzw. inklinanten in eine deklinante oder sichelförmige, in Ausnahmefällen auch in eine geknickt-deklinante Form, die, sobald die Buhne überströmt wird, die Strömung zum Ufer hin lenkt und dort die Erosivität fördert. Zweck dieses Umbaues ist die Reduktion der Buhnenfeldverlandungen und die aus ökologischen Gesichtspunkten erwünschte Zunahme der morphologischen Dynamik in den Uferzonen.
Welche Gewässervernetzungen sind geplant? Gewässervernetzungsprojekte wurden in den letzten Jahren in Kooperation zwischen der Wasserstraßendirektion (nunmehr: via donau) und dem Nationalpark Donau-Auen bereits mehrfach realisiert, etwa zwischen Regelsbrunn und Ma. Ellend, bei Orth und bei Schönau. Mit der Weiterführung dieser Projekte im Rahmen des Flussbaulichen Gesamtprojektes soll die ökologische Funktionsfähigkeit des gesamten Nebenarmsystems der Donau erhöht bzw. wiederhergestellt werden, und zwar im Sinn einer möglichst weitgehenden Annäherung der hydrologischen und morphologischen Faktoren an den ursprünglichen (nicht durch flussbauliche Maßnahmen gestörten) Zustand des Gewässersystems. Dabei spielt vor allem die Erhöhung der Dauer und Frequenz der Durchflüsse eine zentrale Rolle, wobei eine ganzjährige Durchströmung der Nebenarme angestrebt wird. Die Einströmöffnungen werden daher so tief wie möglich (etwa Niederwasserbereich) vorgesehen, sodass im Nebenarmsystem auch bei Regulierungsniederwasser ein Durchfluss von einigen Kubikmetern pro Sekunde möglich ist.
Im Rahmen des Flussbauliches Gesamtprojektes sollen folgende Nebenarmsysteme wieder verstärkt an den Strom angebunden:
Als ökologisch besonders wünschenswert werden verstärkte Seitenerosionen in den Nebenarmsystemen bewertet, weil damit den bestehenden Verlandungstendenzen (im Vorland) partiell entgegengewirkt werden kann. Mit den geplanten Maßnahmen wird daher eine Zunahme der erosiven Kräfte in den Nebenarmen angestrebt.
Eine weitere, gewässerökologisch motivierte Maßnahme betrifft die Tieferlegung der Gewässersohle im Bereich sogenannter Hinterrinner, also von Tiefenrinnen zwischen dem Ufer und vorgelagerten Kiesbänken bzw. Inseln. Solche Bereiche liegen infolge der Sohleintiefung heute zumeist deutlich über Regulierungsniederwasser, sind also seltener mit dem Strom verbunden als in der Vergangenheit, was im Rahmen des Projektes durch Baggerungen wieder kompensiert wird. Der damit geschaffene Wasserkörper ist wellenschlaggeschützt und damit vor allem für Jungfische und andere aquatisch lebende Organismen besonders wertvoll. Der dort gebaggerte Kies wird in tieferen Zonen des Stromes wieder eingebaut.
Wie funktioniert „Uferrückbau“? Derzeit sind die Uferböschungen der Donau praktisch durchgehend bis auf die Höhenlage des Treppelweges mit Steinsicherungen befestigt und somit fixiert. Das Flussbauliche Gesamtprojekt sieht in ausgedehnten Uferabschnitten (in Summe auf über 30 km) den an die jeweilige flussmorphologische Situation angepassten Rückbau solcher Uferböschungen vor. Damit wird angestrebt, eine eigendynamische morphologische Umformung dieser Uferzonen zu ermöglichen, während aber selbstverständlich der Lauf des Stromes insgesamt nicht verändert wird.
Abbildung: Prinzipskizze zum Uferrückbau mit Fußsicherung zur Verhinderung einer Aufweitung des NW-Querschnittes
Der Uferrückbau betrifft vor allem Gleitufer und Uferzonen, die im Schutz vorgelagerter und flussbaulich fixierter Kiesbänke liegen, sowie Abschnitte, die durch vorgelagerte Buhnen geringeren Strömungsbeanspruchungen ausgesetzt sind. Um eine Aufweitung des Durchflussquerschnittes bei Niederwasser, die mit einer unerwünschten Verringerung der Fahrwassertiefen verbunden wäre, zu verhindern, ist vorgesehen, den Böschungsfuß in einzelnen, stärker zur Seitenerosion neigenden Uferabschnitten bis auf eine Höhenlage knapp über Regulierungsniederwasser (RNW; in Ausnahmefällen auch höher) zu sichern, während die höher gelegenen Teile der Ufersicherung abgetragen werden. Ein gelungenes Beispiel für einen bereits erfolgten Uferrückbau ist der Bereich Thurnhaufen gegenüber Hainburg, wo durch Abtrag der Steinsicherungen wieder mehr Dynamik sichtbar wird.
Welche ökologischen Maßnahmen sind geplant? Ein klar formuliertes Ziel des Flussbaulichen Gesamtprojektes ist, neben der Verbesserung der Schifffahrtsverhältnisse, die Verbesserung der ökologischen Funktionsfähigkeit der Donauauen östlich von Wien. Maßnahmen um dies zu erreichen sind der Stop der Sohleintiefung, Uferrückbau und Gewässervernetzungen. Grundsätzlich wird angestrebt, im Rahmen des Vorhabens eine so weit wie möglich gehende Dynamisierung des Auen-Ökosystems voranzutreiben. Durch gezielten Uferrückbau wird die Seitenerosion inklusive der Neubildung dynamischer Standorte (Sand- und Schotterflächen am Hauptstrom) gefördert. Die Wiedervernetzung von Alt- und Nebenarmen und die Anhebung der in den letzten Jahrzehnten stark gefallenen Wasserspiegel führen zu einer stärkeren Vernetzung von Strom und Au. Für das Auenökosystem ist daher eine deutliche Verbesserung im Zuge des Flussbaulichen Gesamtprojekts zu erwarten.
Welches Material wird für die Sohlstabilisierung konkret benötigt? Das Zugabematerial (Grobkies) ist mit Korngrößen von etwa 40 bis 70 mm gröber als der größte Teil des natürlich vorhandenen Donaugeschiebes, bleibt aber andererseits feiner als das derzeit schon vorhandene Größtkorn. Die Kornverteilung der Sohle wird also in ihrem mittleren Bereich angehoben, nicht jedoch im Grobkornbereich. In einer 'Studie Materialbeschaffung' der Geologischen Bundesanstalt (Mai 2000) sind über 100 bestehende Abbaugebiete und Eignungszonen auf das Vorkommen der erforderlichen Korngruppe 40 mm – 70 mm untersucht und bewertet worden. Es zeigt sich, dass eine baubedingte Bedarfsdeckung von für die Granulometrische Sohlverbesserung von bestehenden Betrieben im weiteren Donauraum (Marchfeld, südliches Wiener Becken, Parndorfer Platte etc. möglich ist.
Wie funktioniert die Granulometrische Sohlstabilisierung? Hergestellt wird die Granulometrische Sohlstabilisierung durch Zugabe von Grobkies mit einem Durchmesser von etwa 40 bis 70 mm, wobei das Material z.B. durch Klappschuten, d.h. mit dem Schiff, in Schichten eingebracht wird. Der Fluss selbst sorgt im Laufe der Zeit durch die Abfolge verschiedener Wasserführungen für die Vermischung dieser Zugabeschicht mit dem bestehenden Donausohlmaterial.
Wie kommt es zur Eintiefung der Donausohle? Betrachtet man das Projektgebiet, den Donauabschnitt östlich von Wien zwischen dem Kraftwerk Freundenau und der österreichisch-slowakischen Grenze, so ist die Eintiefung der Donau das zentrale Thema und die größte Herausforderung aus wasserbaulicher Sicht. Jährliche Eintiefungsraten von ca. 2 bis 3,5 cm bewirken, dass die ursprünglich auf Niederwasser dimensionierten alten Regulierungsbauwerke (Buhnen, Leitwerke) bereits bis auf Mittelwasserniveau herausragen und teilweise an Funktionalität eingebüßt haben. Das gleiche Problem besteht mit den bereits in den letzten Jahren durchgeführten Gewässervernetzungen bei Orth/Schönau, Haslau/Regelsbrunn und Stopfenreuth. Die Einströmöffnungen wachsen bereits wieder auf Mittelwasserniveau heraus und werden über weite Strecken unwirksam.
Begründet liegt diese Entwicklung in der Unterbrechung des Fließ- und Geschiebekontinuums der Donau. Der natürliche Geschiebeeintrag ist durch die Kraftwerkskette oberhalb unterbrochen, die Strecke zwischen dem Kraftwerk Freundenau und der österreichisch-slowakischen Grenze weist im derzeitigen Zustand allerdings ein Geschiebetransportvermögen von ca. 350.000 m3 pro Jahr auf, sodass die Donau in diesem Abschnitt durch eine deutliche Eintiefung gekennzeichnet ist.
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Flussbauliches Gesamtprojekt Donau östlich von Wien
Realisierung eines nachhaltigen Hochwasserschutzes an der March.
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